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Eine kurze „Gebrauchsanleitung“ vorweg

Diese Form der Verkündigung ist für mich Neuland und für Sie als Nutzer*innen vermutlich auch. Es ist ein Experiment in Zeiten, die uns die persönliche Begegnung nehmen, aber hoffentlich nicht die innere Verbundenheit.

Im Folgenden biete ich Ihnen Gedanken zum Mitlesen, Mitdenken und Teilen an.
Auch gibt es die Möglichkeit, Lieder über Youtube zu hören, wenn Sie das wollen. Genauso gut können Sie dieses „Angebot“ aber auch überspringen.

Das eigene Lesen ersetzt nicht das gehörte, gesprochene Wort. Andererseits können Sie die Texte auch mehrfach lesen, das mag sogar ein Vorteil sein.

Von Vorteil ist es sicherlich auch, sich zum Lesen eine passende Situation zu schaffen. Vielleicht zünden Sie sich eine Kerze an und schalten das Telefon auf „stumm“.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Lektüre und freue mich bei Gelegenheit über eine Rückmeldung zu diesem „Format“.

Pfarrer Claas Ehrhardt

Andacht zum Sonntag Lätare, Sonntag, 22. März 2020

Die Andacht zum Sonntag Lätare, Sonntag, 22. März 2020 zum Mitlesen, Mitsingen oder Nachlesen finden Sie hier.

Begrüßung

Nicht Auge in Auge, nicht im direkten Kontakt, so wie wir in unserer Kirche zusammen kommen – und doch verbunden als Gemeinde und Kirche Jesu Christi in bewegten und herausfordernden Zeiten – lade ich Sie ein, Einkehr zu halten im lesenden Hören auf Gottes Wort.

Nicht im direkten Kontakt – und doch verbunden im Vertrauen darauf, dass Gott nicht fern ist.

Auch wenn wir uns aktuell nicht so nah sein können, wie zum Beispiel beim gewohnten und lieb gewonnenen Friedensgruß.

Umso mehr wünsche ich Ihnen auf diesem Wege „Friede sei mit dir!“

Gottes Friede, der höher ist als unser Verstehen und Begreifen-Können.

Der nahbar geworden ist in Jesus Christus und

der uns ermutigt und berührt durch seinen Heiligen Geist. Amen.

Wenn Sie mögen, stimmen Sie mit ein in das Lied „In dir ist Freude“, im Evangelischen Gesangbuch finden Sie es unter der Nummer 398, bei Youtube unter zum Mithören unter  https://www.youtube.com/watch?v=P1mog6POXNY

Lied EG 398 „In dir ist Freude“

1) In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte,
an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2) Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast's in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

 

Lassen Sie uns gemeinsam den Psalm 139 beten, in einer Übertragung des niederländischen Theologen Huub Oosterhuis

Psalmgebet nach Psalm 139

Du
Du weißt um mein Gehen und Stehen.
Du ergründest mein Herz, du durchschaust mich.

Du kennst meine Gedanken von Ferne,
mein Reisen und Wandern, mein Ruhen.
 
Alle meine Wege sind dir bekannt –
Jedes Wort, das kommt über meine Lippen,
unausgesprochen noch, du hörst es schon.

Hinter mir bist du und mir voraus.
Du legst deine Hände mir auf.
Das ist es, was ich nicht begreifen,
nicht denken kann, das ist mir zu hoch.
 
Wie dem Hauch deines Mundes entkommen,
wohin flüchten vor deinem Angesicht?

Erklimm ich den Himmel, da bist du,
steige ich ab in die Erde, da finde ich dich auch.
 
Hätte ich Flügel des Morgenrots,
flöge ich über die fernsten Meere,
auch dort du, deine Hand,
deine Rechte, die mich festhält.

Riefe ich: „Finsternis, bedeck mich,
Licht, werde zu Nacht“ –
für dich besteht die Finsternis nicht.
Für dich ist die Nacht so licht wie der Tag,
die Finsternis ebenso strahlend wie das Licht.
 
Deine Schöpfung bin ich mit Herzen und Nieren,
du hast mich gewebt im Schoß meiner Mutter.
 
Meine Seele und Glieder sind dir vertraut,
in mir war nichts deinen Augen verborgen,
als ich geformt wurde tief im Geheimen,
prächtig gewirkt im Schoß der Erde.
 
Ich war noch nicht geboren,
du hattest mich schon gesehen,
und alle meine Lebenstage standen in deinem Buch,
bevor auch nur einer durch dich geschaffen.

Du, Ewiger, ergründ nun mein Herz, erforsch mich,
prüf meine geheimen Gedanken.
 
Mein Weg führt mich doch nicht in die Irre?
Leite du mich fort auf dem Weg deiner Tage.

Der Sonntag Lätare gilt als kleines Osterfest in der Passionszeit. Der Wochenspruch aus dem Johannesevangelium Kapitel 12,24 lautet:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Ein Bild, das über den Tod auf das Leben und den Neuanfang verweist, wie das Wochenlied „Korn, das in die Erde“.  Im Evangelischen Gesangbuch finden Sie es unter der Nummer 98, bei Youtube unter zum Mithören unter  https://www.youtube.com/watch?v=pzb5ngSDhN4

EG 98 „Korn, das in die Erde“

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

Lesung

 Jesus ist mit seinen Jüngern in Jerusalem. Die Stadt ist voll von Menschen, die von nah und fern gekommen sind, das Passafest zu feiern. Für Jesus wird es das letzte Mal sein, dass er es feiert. Sein Tod am Kreuz ist nahe und sein kommendes Schicksal ist ihm bewusst.

Wir lesen beim Evangelisten Johannes im 12. Kapitel:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.

21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen.

22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus.

23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

 

Gedanken

Wir wollen „sehen“

 „Wir wollen Jesus sehen“.
 
Was mögen die bittenden Pilger vom Rabbi aus Nazareth wohl gehört haben?
Was möchten sie in ihm sehen (wollen)?

·        Einen Wundertäter, der aus Wasser Wein machen kann (Joh 2; Hochzeit zu Kana)?

·        Einen, der Tote wieder lebendig macht (Joh 11; Erweckung des Lazarus)?

·        Einen, der gekommen ist, mit allem alten aufzuräumen (Joh 12, Einzug in Jerusalem)?

Was auch immer sie zu sehen erwarten.

Zu sehen gibt es nicht viel.
Der erste Kontakt mit Jesus besteht im HÖREN.
Vielmehr gibt es etwas zu hören!

Und Jesus steigt gleich voll ein:
„Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“
 
Mit „Verherrlichung“ ist bei Johannes immer der Tod Jesu am Kreuz umschrieben.
 
Jesu erste und entscheidende Ansage lautet:

Ohne das Kreuz bin ich nicht zu begreifen!

Wir können Jesus nicht in den Blick bekommen, wenn wir dabei nicht auch auf das Kreuz schauen. (So, wie wir es tun, wenn wir in unserer Kirche Richtung Altar und Richtung Park blicken.)

Wer Jesus „sehen“, also kennenlernen will, muss sich auf das Bild des Leidenden und Gekreuzigten einlassen. Erst da erfahren wir, wer Jesus wirklich ist.

Illustriert durch sein Bild vom Weizenkorn!

 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt…

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Nach antiker Auffassung ermöglichte erst das „Sterben“ des Weizenkornes im Ackerboden, dass aus ihm vielfache Frucht und damit Leben für viele entsteht!

Übersetzt auf das angekündigte Geschehen von Karfreitag:

Sein bevorstehendes Sterben ist entgegen allem Augenschein kein Scheitern, kein Versagen und nicht das Ende.

Nein, aus seinem Sterben wird fruchtbringendes Leben. Sein Sterben wird zur Basis für neues Leben, neue Frucht.

Das war, ist und bleibt schwer zu verstehen, darum auch das Bild des Weizenkornes:

Stellen Sie sich ein paar Weizenkörner in Ihrer Hand vor, vielleicht haben Sie welche in der Küche.

Dort können sie wochenlang, monatelang, jahrelang rumliegen, es könnte ein ganzer Sack in der Speisekammer stehen, ohne dass etwas daraus erwächst. Man weiß, was drinsteckt, aber man hat nichts davon.

Erst im „Verzicht“ auf den „Bestand“, kann neues entstehen, Mehl, Brot, Sättigung.

Darum vergleicht Jesus sich mit diesem Weizenkorn!

Ohne seinen „Verzicht“, sein Leben weiter zu leben, wäre Jesus eben doch nur einer gewesen, der „Zeichen und Wunder“ getan hat, spektakulär, aber einer unter vielen seiner Zeit.

 

Aus Verzicht kann Neues erwachsen

In aller Regel neigen wir dazu, Gewohntes nicht ohne Not zur Disposition zu stellen. Zu groß ist die Angst vor dem Unbekannten. Ich kenne das nur allzu gut von mir. Kontrolle verleiht Sicherheit, unbekanntes Terrain verunsichert.

Im Bild vom Weizenkorn gesprochen: ich bleibe lieber in meinem Sack in der Speisekammer.

Wo ich aber bereit bin zu „verlieren“ (im Sinne von Loslassen), da kann sich mein Blick, meine Perspektive weiten.

Wie z.B. in der aktiven Annahme einer veränderten Situation, wie wir es in diesen Tagen und Wochen erleben und lernen müssen.

„Loslassen“, um die Hände wieder frei zu bekommen, und den Kopf und das Herz.

So, wie der Sämann das Weizenkorn loslässt, damit es neue Frucht bringen kann.

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Ich wünsche Ihnen einen vertrauensvollen Blick auf das Leben, gerade in diesen Tagen und Wochen. Ich wünsche Ihnen den offenen Blick für die Menschen um Sie herum und für das, was auch und vielleicht gerade jetzt nötig und möglich ist.

Und ich wünsche vor allem wünsche ich Ihnen Gesundheit!  

 

Gebet

Guter Gott,
wir leben in unsicheren Zeiten. Wir sind verunsichert und fragen:
Wie geht es weiter?
Wir wollen darauf vertrauen, dass Du da bist und unser Fragen hörst und teilst.
 
Wir bitten für die Menschen, die uns fehlen, weil wir uns nicht begegnen können.
Wir vermissen sie und wir sorgen uns um sie.
Sei Du da mit Deinem Segen und Deiner Liebe.

Wir bitten für die Menschen, die unserer Gesellschaft in dieser Zeit dienen.
Verkäuferinnen und Polizisten, Ärztinnen und Pfleger, Busfahrerinnen und LKW-Fahrer. Die Menschen in den Krisenstäben und Ämtern, in den Laboren und Forschungseinrichtungen.
Sei Du da mit deinem Geist und Deiner Kraft.

Wir bitten für die Menschen, die selbst erkrankt sind oder sich sorgen um erkrankte Menschen in Familie, Freundschaft, Nachbarschaft.
Wir bitten dich für alle Menschen, die unsere Fürbitte nötig haben, in Krankheit, Krieg, Flucht und Vertreibung.
Sei Du ihnen nahe und gib ihnen, was sie in ihrer Situation nötig haben.

Und wir legen alles, was wir sonst auf dem Herzen haben in das Gebet, das Jesus selbst uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 

Ein letztes Lied zum Lesen, Hören, mitsingen

 „Möge die Straße uns zusammenführen“

https://www.youtube.com/watch?v=xNfpyPMhrSI

1. Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain: Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.

2. Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab;
hab wenn es kühl wird, warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht.

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt du bist schon tot.

4. Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt;
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nicht zu fest.

 

Segen

Und bis wir uns wiedersehen halte Gott Dich fest in seiner Hand!
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen.

 

 

 

Sonntag Lätare - Andacht zum Downloaden & Anhören

Hier können Sie sich die Andacht von Pfarrer Claas Ehrhardt zum Sonntag Lätare, Sonntag, 22. März 2020 downloaden und anhören: 

safe.gemeinsam.ekbo.de/index.php/s/OFYF34RXOtmGKfB/download

Letzte Änderung am: 27.03.2020