Evangelische Kirchengemeinde Zur Heimat
  20.3.2019 · 16:50 Uhr
   
Andacht
 
Prioritäten setzen
März 2019
so viele Möglichkeiten!

Monatsspruch März:
„Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu
und dient ihm allein“
(1. Sam 7,3)
„Man kann nicht zwei Herren dienen“ – dieser sprichwörtlich gewordene Jesus-Satz (Matthäus 6,24) weiß um die innere Spannung eines jeden Interessenkonflikts:
„Gehen oder bleiben?“, „Mit den Wölfen heulen oder zur eigenen Meinung stehen?“ oder auch viel banaler „Auf das Stück Kuchen verzichten oder auf den erhofften Erfolg am nächsten Morgen auf der Waage?“
Es gibt immer wieder Situationen in unserem Leben, in denen wir uns entscheiden müssen – für das eine, gegen das andere oder auch für den (lauen? weisen? notwendigen?) Kompromiss.
Viele solcher Entscheidungen treffen wir eher unterbewusst, aus dem Bauch heraus.
Aber es gibt auch immer wieder Zeiten und Momente, in denen es um eine ganz bewusste Richtungsentscheidung geht, weil sie, wie wir es auch wenden, unser Leben bestimmen wird.
„Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein.“
In der Aufforderung des Richters Samuel geht es um nichts weniger als die Frage, ob die angesprochenen Israeliten eine Entscheidung für den Weg mit dem Gott treffen wollen, der ihre Vorfahren einst aus der ägyptischen Sklaverei in das Land der Freiheit geführt hat, in dem sie nun leben. Für viele von ihnen war die Beziehung zu dem Gott ihrer Väter und Mütter im Alltag verschüttgegangen. Es war einfacher, sich für alle Belange des Lebens die „zuständige“ Götterstatue ins Regal zu stellen, als sich einem unsichtbaren Gott und seinen Geboten anzuvertrauen.
In seinem großen Katechismus postuliert Martin Luther: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ Weltlich weitergedacht bzw. gefragt: Welchen Sichtweisen, Vorlieben, Neigungen, Sehnsüchten räume ich welchen Stellenwert in meinem Leben ein?
Motivieren sie mich? Eröffnen sie mir Freiheit(en)? Oder nehmen sie mich so sehr in Anspruch, dass anderes und andere darunter leiden? Am 6. März ist Aschermittwoch. Mit diesem Tag beginnt für Christen die Fasten- bzw. Passionszeit, in der sie dem Weg Jesu ans Kreuz in besonderer Weise nachdenken. Traditionell ist dies eine Zeit, die zur Besinnung auf die eigenen Lebensvollzüge und -prioritäten einlädt. Auch Nichtchristen entdecken für sich zunehmend die Chance von „Sieben Wochen ohne“ oder auch „Sieben Wochen anders“. Als Chance zum Innehalten, zur Entschleunigung, zur Selbstreflexion. Wo stehe ich? Was dient mir? Und welchen guten oder auch weniger guten Zielen und Ansprüchen „diene“ ich?
Woran hängt mein Herz in einem Maße, dass es mir und / oder anderen nicht guttut?
Wenn Sie sich von der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche inspirieren lassen wollen, finden Sie viele Hinweise unter https://7wochenohne.evangelisch.de.
Oder Sie versuchen es einmal mit den „Zehn Regeln der Gelassenheit“, die Papst Johannes XXIII. (1881–1963) zugeschrieben werden. Sie können helfen zu erkennen, wovon ich mich besser abwenden, was oder wem ich mich zuwenden sollte.
1. Leben
Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
2. Sorgfalt
Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja, ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern … nur mich selbst.
3. Glück
Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin … nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.
4. Realismus
Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
5. Lesen
Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.
6. Handeln
Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.
7. Überwinden
Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.
8. Planen
Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.
9. Mut
Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.
10. Vertrauen
Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.
Ihr Claas Ehrhardt, Pfarrer