Evangelische Kirchengemeinde Zur Heimat
  21.9.2018 · 23:51 Uhr
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Andacht
 
So schön!
September 2018
Die Welt ist schön!
… gemacht

Monatsspruch XXXMonatXXX:
„Gott hat alles schön gemacht
zu seiner Zeit,
auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut,
weder Anfang noch Ende“
(Prediger 3,11)
Ich glaube, dass die Geschichten der Bibel grundlegende menschliche Erfahrungen in religiöser Sprache erzählen. Wer keine religiöse Sprache versteht, wird sich natürlich über manche Aussage wundern.
Der großartige Berliner Theologe Friedrich Schleiermacher, dessen 250. Geburtstag [Veranstaltungen] sich im November jährt, ging davon aus, dass jeder Mensch in sich eine religiöse Veranlagung trägt. Religion ist ihm „Sinn und Geschmack für’s Unendliche.“ Diesen Sinn kann jede und jeder haben.
Von welchen menschlichen Erfahrungen spricht unser Monatsspruch? Es geschieht gelegentlich, dass ich auf der Spitze eines Berges stehe. Vor mir atemberaubende Landschaften, ein Wunderwerk der Natur. Oder dass ich gute Musik höre, die mich tief im Innern berührt.
„Schön“ ist ein guter Begriff, um diese Erfahrung zu beschreiben. Natürlich weiß ich, dass nicht alles schön ist, was ich sehe. Natürlich weiß ich, dass gegenwärtige Theorien zur Entstehung der Welt ohne den Gottesbegriff auskommen. Dennoch kann mich dieses Wissen nicht daran hindern, dieses konkrete Gefühl im Grunde poetisch mit den Worten „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit“ auszudrücken, vor allem, weil ich auch erfahre, dass in der Natur alles in faszinierender und wundersamer Weise aufeinander abgestimmt ist, alles also zur passenden Zeit geschieht. Ich will dabei nämlich keine naturwissenschaftliche, sondern eine theologische Aussage treffen. Spannenderweise steht hier für „machen“ im hebräischen Urtext übrigens nicht das Wort für die Schöpfung, sondern für die Handlung, die auch ein Mensch ausführen kann.
Wenn ich auf dem Berg stehe oder gute Musik höre, werde ich für einen Moment Teil eines großen Ganzen, vergesse mich selbst und die Zeit. Sie spielt förmlich keine Rolle mehr. Ich bekomme ein Gefühl für die Unendlichkeit, für die Ewigkeit. Diese beiden Begriffe fordern mein Denken heraus. Es überfordert mich, das Nichts zu denken, aber auch die Unendlichkeit. Ich kann darüber nachdenken, aber ich kann es nicht begreifen. Während man früher dachte, Unendlichkeit sei eine unbegrenzte Ausdehnung nach außen, scheint sich diese Erkenntnis auch in die umgekehrte Richtung einzustellen: Schon lange ist klar, dass Atome nicht die kleinsten Teilchen sind. Und ob die Quarks, Leptonen, das Higgs-Boson etc. das Ende der Fahnenstange sind, ist ganz und gar nicht ausgemacht. Ich finde das faszinierend, es macht etwas mit mir. Ich kann dabei religiöse Gefühle gar nicht vermeiden. Wird es der Menschheit jemals gelingen, den Anfang und das Ende zu erforschen? Wir dürfen gespannt sein. Bis dahin aber hindert mich nichts an der Aussage: „nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“
Schreiben Sie mir gerne Ihre Gedanken dazu!
Herzlichst, Ihr Vikar Viktor Weber