Evangelische Kirchengemeinde Zur Heimat
  23.4.2018 · 5:26 Uhr
   
Andacht
 
Friede Sei mit dir!
April 2018
Monatsspruch April:
Jesus Christus spricht: „Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.“
(Johannes 20,21)
Warum gibt es Krieg? Wenn Kinder so fragen, kommen Eltern in Bedrängnis. Wenn sie nur selbst eine Antwort hätten.
Warum gibt es Krieg? Manche profitieren wirtschaftlich davon. Manche verteidigen sich. Manche rächen sich, stellen aus ihrer Sicht Gerechtigkeit wieder her. Jedenfalls sind die Ursachen der Konflikte regelmäßig undurchsichtig. Wer gut und böse ist, bestimmen im Nachhinein die Sieger. Die Welt schaut zu. Wagt sie es, sich einzumischen, verbrennt sie sich oft die Finger. Statt in Friedens- und Konfliktforschung zu investieren, stecken Regierungen Geld in Waffen, denn damit lassen sich Interessen effektiv durchsetzen.
Viele Kinder sagen, sie wollen mal die Welt retten. Viele wünschen sich Weltfrieden. Wir schmunzeln darüber, denn in ihnen sehen wir uns selbst. Doch Weltfrieden wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals geben. Mit der Zeit begreifen die Kinder das, Frust stellt sich ein. „Ich kann ja doch nichts ändern.“ „Die da oben machen, was sie wollen.“ „Als Wählerin habe ich nur die Wahl des geringeren Übels.“
Die Bibel kennt solche pessimistischen Töne und ist um Weltuntergangsprophetien nicht verlegen: Am Ende der Tage gibt es überall Krieg und Kriegsgeschrei, das tausendjährige Friedensreich muss mit der Wiederkunft Christi erst errichtet werden. Mit ganz anderen, sanften Tönen spricht der johanneische Jesus zu seinen Jüngern: „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“
„Friede sei mit euch.“ Friede sei mit Ihnen, liebe Leserin und Leser! Schalom, Salem Aleikum, viele Sprachen kennen diesen Gruß. Er klingt schön. Oft wird er so dahingesagt. Doch Frieden ist Mangelware, es gibt ihn nicht einfach so. Frieden will errungen werden. Es braucht viele Worte, Austausch von Wahrnehmungen, Standpunkten und Bedürfnissen, um die andere Partei zu verstehen. Es braucht viel Energie, sehr viel Ausdauer und noch mehr Geduld. Frieden muss in kleinen Schritten errungen werden. Jesus spricht weiter: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Müde, frustriert und abgeklärt fühle ich mich angesichts der vielen Gewalt in der Welt – wie soll ich ein Gesandter Jesu werden? Der Kampf gegen Windmühlen, muss das sein?
Heimlich wünsche ich mir immer noch Weltfrieden. Manchmal spende ich etwas Geld an Projekte, die Frieden fördern. Ein richtig großes Rad drehe ich dabei aber nicht. Ob Jesus damit zufrieden wäre? Mein Gewissen bleibt weiter unruhig. Ein wenig tröstet mich die Wahrheit eines bekannten christlichen Kinderlieds:
„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern,
können nur zusammen das Leben bestehn.“
Egal, wie aussichtslos es scheint, Christinnen und Christen glauben daran, dass das Reich Gottes kommt. Auch in kleinen Schritten. Mit ihnen, aber auch ohne sie. Das macht sie zu Idealisten. Sie glauben nicht an das Paradies auf Erden. Das macht sie zu Realisten. Sie glauben an die Liebe. Das macht sie zu aktiven Friedensstiftern.
Ihr Vikar Viktor Weber