Evangelische Kirchengemeinde Zur Heimat
  15.12.2018 · 6:05 Uhr
   
Andacht
 
dem Stern folgen
Dezember 2018
Die Weisen kommen aus dem Orient

Monatsspruch Dezember:
„Da sie den Stern sahen,
wurden sie hocherfreut.“
(Matthäus 2,10)
… denn sie wussten, nun hatten sie ihr Ziel fast erreicht. Sie, die „Weisen aus dem Morgenland“, mutmaßlich Astronomen aus dem Gebiet des heutigen Irak.
Zu diesem Zeitpunkt, von dem Matthäus in seinem Weihnachtsevangelium berichtet, lag ihr Aufbruch Richtung Betlehem schon Monate zurück. Eine lange und gefährliche Wüstenwanderung steckte ihnen in den Knochen. Und wofür hatten sie diese Strapazen auf sich genommen? Für die Hoffnung, die ihre erste Sichtung jenes Sternes in ihnen ausgelöst hatte. Hoffnung – neben Liebe wohl das stärkste aller menschlichen Antriebsmittel. Aber Hoffnung „worauf“?
Matthäus beschränkt sich auf den kargen Hinweis, die Hoffnung der Weisen verknüpfe sich mit dem „neugeborenen König der Juden“, dessen Stern sie am Himmel entdeckt hatten. Was sie sich wohl von ihm versprachen?
Einen König, dessen Herrschaft von Gerechtigkeit, Frieden und Selbstbestimmung für alle gekennzeichnet wäre? Die teilten sie mit vielen Menschen in dem Land, das sie nun erreicht hatten, und damit das Ziel ihrer Hoffnung.
Und auch, als es nach den letzten Kilometern kein Palast, sondern ? ein Stall ist, über dem der Stern leuchtet, machen sie nicht enttäuscht kehrt. Sie vertrauen gegen ihre innere Erwartungshaltung darauf, dass der Stern sie nicht fehlgeleitet hatte.
Auch heute verlassen Millionen Menschen ihre Heimat, um in fernen Ländern das Ziel ihrer Hoffnung zu finden. Auf ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden, das ihnen in ihren Herkunftsländern versagt bleibt. Viele von ihnen verknüpfen zum Teil berechtigte, zum Teil aber auch falsche Erwartungen mit den Orten ihrer Sehnsucht, auch hier in unserem Land.
Das zu Ende gehende Jahr ist geprägt vom Ringen über einen angemessenen Umgang mit diesen Menschen, die zu uns gekommen sind und noch kommen in der Hoffnung auf eine neue Lebensperspektive. Ein Ringen, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt und mitunter sogar den gesellschaftlichen Frieden so manchen Ortes auf die Probe stellt.
Was können, ja was müssen wir als wohlhabendes Land an Unterstützung leisten? Welche Hoffnungen und Erwartungen werden aber vielleicht auch hier unerfüllt bleiben müssen?
Den einen „Königsweg“ wird es in dieser Frage wohl nicht geben. Doch wovon sich leiten, sich inspirieren lassen für die eigene Sichtweise und Haltung?
Im Gottesdienst am ersten Advent, wenn die erste Kerze am Advents- kranz entzündet wird, wird dazu mit Sicherheit das erste Lied im Evangelischen Gesangbuch erklingen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ In der letzten Strophe heißt es dort: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein’ Freundlichkeit auch uns erschein …“
Wo uns etwas von dieser Freundlichkeit erscheint, da können sich Herzen und Ansichten weiten. Wie bei den Weisen: Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut … Und erfüllt von ihrer Begegnung mit dem Unerwarteten konnten sie wieder aufbrechen. Mit neuem Mut für den Weg, der vor ihnen lag, lang und in vielem ungewiss. Aber beschienen von einem guten Stern.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben eine friedvolle und erfüllende Adventszeit, gesegnete Weihnachten und einen hoffnungsvollen Start in das neue Jahr, das vor uns liegt. Die Jahreslosung für 2019 aus Psalm 34,15 mag dafür ein guter Wegweiser und -begleiter sein:
„Suche Frieden und jage ihm nach“!
Claas Ehrhardt, Pfarrer